unser 2 Monatsimpuls

Der alterslose Teil in mir wundert sich noch über die Zahl 60. Mein Spiegelbild nicht so sehr.

Aber insgesamt fühle ich mich wohl damit. Das hat auch mit der Wertschätzung meiner Familie, vieler Geschwister und Freunde zu tun. Die stärkt mich, gern zu sein, wo und wie ich gerade bin. Danke!

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“ – heißt ein Buchtitel von Joachim Fuchsberger. Ein heiter-ironisches Buch von einem Sympathieträger. Fuchsberger macht Mut, locker mit dem unvermeidlichen Altern umzugehen: »Ich denke, es ist Zeit, dass sich die Alten die faltige Haut nicht länger über die Ohren ziehen lassen. Hören wir auf, im stillen Kämmerlein und vor der Glotze auf die Schwätzer aus den Amtsstuben zu hören, lassen wir uns keine Angst mehr einjagen von den Neunmalklugen, wo immer sie sitzen.« Charmant, nachdenklich, aber nie weinerlich, plaudert der große alte Mann des deutschen Unterhaltungsfilms über die Blüte seines Lebens und darüber, wie es sich anfühlt, wenn sie langsam dahinwelkt. Fuchsberger empfiehlt, sich den Lebensabend nicht durch demographische Schwarzmalerei verderben zu lassen.

Die TV-Miniserie „Mit 80 Jahren um die Welt“ zeigt, wie sehr sich das Lebensgefühl der Älteren inzwischen in diese Richtung geändert hat. Sie sind selbstbewusster und sichtbarer als früher. Und weil unsere Gesellschaft zunehmend überaltert, sind sie auch ein bedeutender Wirtschafts- u. Einflussfaktor. 

Das letzte Lebensviertel bloß „absitzen“ ist auch wirklich nicht im Sinne des Erfinders! Gott schenkt uns die Lebenszeit, damit wir sie nutzen. Gegen Ende der Berufstätigkeit und vor allem danach tun sich für viele verheißungsvolle Türen auf. Auf einmal ungebunden. Viel freie Zeit. Finanzielle Möglichkeiten. All das lockt lang gehegte Bedürfnisse hinterm Ofen hervor. Davon profitieren oft (endlich) die eigene Familie oder die lange vernachlässigten persönlichen Stärken. Wort

Im Blick auf diese neuen Freiheiten beschleicht mich manchmal aber auch ein merkwürdiges Gefühl. Häufig geht dieser Lebensabschnitt mit einer „Jetzt bin ich mal dran“-Mentalität einher, als ob die egoistische „ICH-AG“ der Sinn des Lebens sei! Von dieser Haltung profitieren dann eher die Kreuzfahrten-Branche oder ähnliche Geld-und-Zeit-Fresser.

Ein bisschen ist diese chancenvolle Zeit so, wie in 5.Ms 11,14 beschrieben: Ich will eurem Land Regen geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, dass du einsammelst dein Getreide, deinen Wein und dein Öl. Dieser „Spätregen“ ist in der Bibel auch ein Bild für den besonderen Segen, mit dem Gott die letzte Zeit in der Nachfolge ausstattet (z.B. Jak 5,7-11). Wie viel Kompetenz hat sich bei uns Älteren angesammelt, wie viel Lebenserfahrung, Gelassenheit und Klarheit! Auch im Glauben! Wenn Gott mir solch einen „Spätregen“ gewährt, indem er mir nochmal neue Freiheit, viel Zeit und Mittel in die Hand gibt – wie will ich das nutzen? Jetzt schon weiß ich: Für die Familie. Für ein Ehrenamt. Für Gebetspatenschaften, die junge Leute und Familien brauchen. Für Gastfreundschaft. Fürs Zuhören. Für Ermutigungen. Denn „Schaut auf ihr Ende!“ (Hebr 13,7), sagt die Bibel. Da sammelt sich die Frucht! Der Ruhestand ist keine General-Amnestie für unsere Verantwortung. Ich kann und soll ihn als besonders gesegnete Chance nutzen und gestalten. Vielleicht im Sinne von Jes 55,10-13. Dort verspricht Gott: Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. (…) Dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.

Herzlich, euer Thomas Zels