unser 2 Monatsimpuls

Friede sie mit Euch!

 

Marburg, Ostern 2021 – und wieder sind sie da, diese kleinen Piraten im Kopf. Sie kapern meine Gedanken und lassen nur noch jene zu, für die sie selbst stehen. Die „Pandemiepiraten“. Wie entwickeln sich die Inzidenzwerte, wann können wir uns wieder ungezwungen begegnen, wann wieder mit allen zusammen Gottesdienst feiern, die verschobenen Familienfeiern nachholen, wann können wir endlich die Masken ablegen? Und kommt nicht vielleicht dann, wenn wir meinen, Licht am Ende des Tunnels zu sehen, irgendeine neue Mutante um die Ecke und das war`s dann wieder?

Es gibt jeden Tag gute Momente. Oft ziemlich viele. Wenn ich abends meinen Tag Revue passieren lasse, kann ich in aller Regel für sehr Vieles dankbar sein. Aber leider ist diese Erkenntnis selten nachhaltig. 

Auch bei den seriösen Medien muss man Durchhaltevermögen mitbringen, um nach den Corona-Meldungen zu erfahren, was sonst noch in der Welt geschehen ist, aber als verantwortungsvoller Staatsbürger will man gut informiert sein. Und dann kapern doch die Pandemiepiraten wieder unsere Gedanken. Eine Situation zwischen Hoffen und Bangen.

Jerusalem, vor rund 2000 Jahren, am ersten Tag der Woche. Die Menschen, die 3 Jahre lang mit Jesus unterwegs waren, verstehen die Welt nicht mehr. Sie fühlen sich, als hätte man ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen, absolut keine Perspektive.

Und dabei hatte doch alles so gut angefangen. Na klar, ein einfacher Schritt war das nicht gewesen, so von jetzt auf gleich alles hinter sich zu lassen, die Familien, die Existenzen. Aber es hatte sich gelohnt. Was hatten sie nicht alles mit Jesus erlebt: Heilungen, Wunder, begeisterte Menschenmassen, die an Jesu Lippen hingen und von ihm etwas hörten, das so ganz anders war als die bekannten Regeln, Vorschriften und Gesetze. Und sie, sie waren ganz nah dran gewesen an Jesus, echte Vertraute, hatten begriffen, dass er mehr war als der charismatische Rabbi oder Prophet, den viele Menschen in ihm sahen. Und Petrus hatte es dann auch ausgesprochen, das eigentlich Unbegreifliche: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“.

Und jetzt, Jesus tot, die Hoffnung dahin. Die jüdische Obrigkeit hatte doch den längeren Atem.

Schluss, aus, Feierabend!

Doch dann diese verstörenden Aussagen, erst von einigen Frauen, später auch von Petrus und Johannes. Das Grab, in dem Jesus bestattet worden war, sei leer. Was hatte das zu bedeuten? Es herrschte wenig Hoffen und viel Bangen.

Wie sagte Jesus, als er nach seiner Auferstehung schließlich in den Kreis seiner verängstigten Jünger trat?

„Friede sei mit euch!“

Und genau das sagt er auch zu uns, Ostern 2021.

Herzlichst

Henk Hoekstra