unser 2 Monatsimpuls

Die Ruhe im Sturm

Ende Oktober waren wir als Gemeindeleitung auf dem Weg nach Langeoog. In unserem Auto saßen Silke, Maik, Sebastian und ich. Draußen um das Auto herum wütete „Ignatz“, ein Sturmtief mit bis zu 120 km/h schnellen Windböen. Vor uns lagen Bäume auf der Straße, neben uns fielen Tannen wie Streichhölzer um, Spurwechsel auf Autobahnbrücken waren ein Kraftakt, der Weg über den Rastplatz ein Abenteuer und die Fähre von Bensersiel fiel zweimal aus.

Ein Sturm: Zum Glück noch relativ selten in Deutschland. Doch stürmische Zeiten kennen wir auch abseits von Windgeschwindigkeit: Das Thema Corona zerrt an uns und reißt zunehmend Risse in die Gesellschaft und Beziehungen. Internationale Konflikte und Katastrophen wehen unheilvoll zu uns in den Nachrichten. Das politische System dreht sich nach 16 Jahren Merkel-Ära. Und auch in der Gemeinde und im Privaten geht es zeitweise stürmisch zu: Gemeindemitglieder erkranken und erhalten Diagnosen, die plötzlich wie ein umgestürzter Baum vor ihrem ein- geschlagenen Lebensweg liegen. Andere ringen vor Gericht um das Bleiberecht in Deutschland. Und der alltägliche Wirbel fordert uns ohnehin in Beruf, Freundschaft und Familie.

Im Neuen Testament lesen wir von einer Geschichte, in der es auch um Sturm geht. Die Jünger und Jesus sind auf den See Genezareth unterwegs. Ein Sturm kommt auf und das Boot droht unterzugehen. Mit Blick auf die Wellen und den Wind bekommen die Jünger (immerhin 4 erfahrene Fischer unter ihnen) blanke Todesangst.

Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer fahren. Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. (Mk 4,35- 37; NGÜ)

Jesus ist auch im Boot. Aber er schläft im hinteren Teil des Bootes auf einem großen Kissen. Die Jünger schreien ihn an „Meister, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?“ Der Sturm um sie herum wütet noch, aber die Blickrichtung hat sich verändert: Sie schauen nicht mehr auf die hohen Wellen, sondern sie blicken jetzt auf Jesus.

Dann wird es ganz still. Es ist nichts mehr zu hören, von dem tosenden Wind und dem Lärm der Wellen. Jesus ist der Herr über den Sturm auf dem Wasser und er ist der Herr über den Sturm in unserem Leben.

Jesus lässt uns zur Ruhe kommen, wenn wir auf ihn schauen und ihm nachfolgen. Dann verschwinden zwar nicht auf Anhieb alle Probleme um uns herum, aber wir dürfen eine Ruhe im Sturm finden – tief in uns drin.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Mt 11,28-29; NGÜ)

An Weihnachten werfen die Menschen das erste Mal ihren Blick auf Jesus. Wir tun das bis heute. Doch es fällt mir immer wieder schwer, im Getose des Alltags meinen Blick auf Jesus zu richten und die Ruhe zu genießen, die von ihm ausgeht. Im Advent ist das wichtiger denn je. Innezuhalten und den Blick im Sturm auf Jesus zu richten. Wie kann das gelingen? Indem du dir jeden Tag eine Kerze anzündest und betest? Oder ein Spaziergang vor den Gottesdiensten im Advent? Oder indem du dich mit jemandem zu Kaffee, Plätzchen und Bibel verabredest?

Jesus lädt dich ein: Komm zu mir! Bei mir findest du Ruhe im Sturm!

Sebastian Mankel