unser 2 Monatsimpuls

Sehnsucht nach Frieden

Das erste Mal in meinem Leben habe ich eine tiefe Sehnsucht nach Frieden. Die Kriege in Europa kenne ich nur aus dem Geschichtsbuch oder von Erzählungen meiner Großeltern. Die Mauer in Deutschland fiel ein Jahr vor meiner Geburt. Krieg und Frieden waren Worte, die ich zwar kannte, aber sie hatten keine tiefe Bedeutung für mein Leben.

Auch jetzt befinde ich mich nicht im Krieg, aber er fühlt sich ziemlich nah an. Die Bilder aus der Ukraine und die Berichte von Tod und Verfolgung prasseln auf mich ein wie ein starker Regen auf ein Autodach. Und ich habe Angst vor dem, wie es weitergeht. Wenn ich morgens mit Gott rede, erzähle ich ihm von diesen Sorgen und meiner Sehnsucht nach Frieden: „Wie wundervoll wäre es, großer Gott, wenn du jetzt sofort Schwerter zu Pflugscharen und Speere zu Sicheln machen könntest. Den Stahl könnte man doch viel besser zum Gartenbau nutzen. Und könntest du die Menschen am besten gleich ganz vergessen lassen, wie man Krieg führt?“ (Vgl. Micha 4,3).

Wenn in der Bibel von Frieden – Shalom – gesprochen wird, dann geht es auch um Zeiten ohne Krieg. Keine Schwerter, keine Panzer, keine Raketen, keine Tote, keine Vertriebene, keine Witwen und Waisen. Doch der Gedanke des Shaloms ist viel umfassender: Er umfasst Wohlstand, Gesundheit und intakte Beziehungen. Es fehlt in Zeiten des Shaloms nicht nur der Abzug an der Waffe, sondern auch der Hunger, die Krankheit und der Streit. Noch mehr Sehnsucht …!

Großer Gott – Kannst du uns diesen Shalom bringen? Wir brauchen ihn gerade! Die Antwort auf diese Frage gibt Gott in seinem Wort auf drei unterschiedliche Weisen: Mein Shalom ist schon da; mein Shalom ist dein Auftrag; mein endgültiger Shalom kommt erst noch.

Mein Shalom ist dein Auftrag: In seiner wohl bekanntesten Rede – der Bergpredigt – spricht Jesus über die Menschen, die sich glücklich oder selig schätzen dürfen. Und das sind u.a. diejenigen, die sich für den Frieden einsetzen: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9) Jesus selbst fordert uns heraus, Friedensstifter zu sein. Alles daran zu setzen, dass Shalom geschieht. Sei es durch ein Telefonat mit Putin oder eine Geste der Versöhnung im Hausflur. Wir haben den Auftrag von Gott, uns ganz konkret für den Frieden in unserer Welt einzusetzen.

Mein endgültiger Shalom kommt erst noch: Die Bibel berichtet uns davon, dass diese Welt einmal untergehen wird und Gott sein Reich vollumfänglich aufrichten wird. Diese neue Welt wird eine Shalom-Welt sein, wo dann tatsächlich Krieg, Hunger, Streit, Krankheit und Tod fehlen werden. Nach dieser Welt dürfen wir uns sehnen. Jetzt sehen wir sie immer nur wie durch ein Schlüsselloch, doch bald öffnet sich die Tür zu ihr: „Dann wird die Wüste zum fruchtbaren Lande und das fruchtbare Land wie Wald geachtet werden. Und das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande. Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird Ruhe und Sicherheit sein auf ewig, dass mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in sorgloser Ruhe.“ (Jes 32,15-18)

Gott legt uns seine Sehnsucht nach Frieden in unser Herz. Und wir dürfen schon jetzt den Shalom Gottes spüren, uns dafür einsetzen und uns darauf freuen.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. (Röm 15,13

Sebastian Mankel